Cover_Affenhitze_Thumb300_zeigt Ausgrabungsstätte, Knochen und Werkzeuge im Vordergrund, im Hintergrund Tannenwald

Affenhitze (Rezension)

4 von 5 Sternen

Klüpfel, Volker | Kobr, Michael | Ullstein eBooks | 582 Seiten | eBook Kindle
Erschienen : 28. April 2022 | ASIN ‎ B09LNF5X7Y | 1. Auflage
Serie: Kluftinger-Krimis | Band 12 | Allgäu-Krimi

 

Werbung/ Rezension:„Affenhitze“ von Volker Klüpfel und Michael Kobr hat mir Ullstein ebooks über NetGalley als persönliches Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! Ich versichere, dass meine Meinung zu diesem Buch rein subjektiv ist und durch die kostenfreie Überlassung des Rezensionsexemplars nicht beeinflusst wird.

Ja, griaßdi, Udo! Oder: Gräbst du noch, oder ermittelst du schon?

„Affenhitze“ ist bereits der 12. Fall für Kommissar Kluftinger. Im Allgäu gibt es eine vielversprechende Ausgrabungsstätte. Man hofft, beweisen zu können, dass die ersten Menschen, die aufrecht gingen, aus dem Allgäu stammen. Doch es werden nicht nur alte Knochen gefunden, just in dem Moment, wo der bayrische Ministerpräsident die Ausgrabungsstätte besucht, kommt eine Leiche zum Vorschein, und diese ist noch nicht alt … Kluftinger, inzwischen sogenannter „Interims-Polizeipräsident“, ermittelt wieder einmal mit seinem Team. Und nicht nur sein alter Bekannter, Dr. Langhammer, stört bei den Ermittlungen, denn da gibt es ja auch noch die Bürgergrabungen und diese nervigen „Lehmkratzer“ (Kindle-Position 1200).

Cover und Schreibstil:

Das Cover von „Affenhitze“ ist von der Farbgebung her typisch für die Krimiserie des erfolgreichen Autorenduos aus dem Allgäu. Auf dem Cover sieht man im Vordergrund Werkzeuge für Ausgrabungen sowie einige Knochen und im Hintergrund einen Tannenwald. Alles in allem wirkt das Cover recht düster und interessant. Der Schreibstil von Volker Klüpfel und Michael Kobr ist wie gewohnt flüssig und wortgewandt. Schön finde ich die mundsprachlichen Ausdrücke, die immer wieder auftauchen und die Einordnung des Buches als Regionalkrimi untermauern: Glump, wiascht, Schmarrn, Priml, verratzt, schluffig, um ein paar prägnante Beispiele zu nennen. Man muss übrigens die Vorgängerbände nicht kennen, um gut in den Fall hineinzukommen.

Tipp: Als echter Kluftinger-Fan sollte man sich übrigens die Paperback-Version von „Affenhitze“ gönnen, da hier nach meinem Wissensstand das Cover von der Haptik her besonders schön gestaltet ist. Allen anderen reicht vielleicht auch das eBook.

 

Kommissar Kluftinger:

Kluftinger ist so wie er halt so ist. Mit seinem ständigen Herumgestänkere, seinen Wutausbrüchen uns seinem Herumfluchen macht es sich nicht nur Freunde: „Zefix, Sauglump, elendiges!“ (Kindle-Position 2103). Kluftinger schimpft, grummelt und flucht das ganze Buch hindurch, hier ein paar Leckerbissen:

„Himmelarsch“ (Kindle-Position 5267)

„Himmelreizkruzifix, du deppertes Ding!“ (Kindle-Position 5602)

„Kreuzkruzitürken!“ (Kindle-Position 5531)

„Himmel…zefix…dreck!“ (Kindle-Position5537)

„Himmelarschkreuzkruzinesn!“ (Kindle-Position 6447)

Seine Frau Erika nennt ihn trotz seines Benehmens weiterhin liebevoll „Butzele“.

 

Fazit:

Ich persönlich kenne die meisten Fälle des etwas schrulligen Kommissars aus dem Allgäu, und ich dachte immer, dass sich der Hype um Kluftinger irgendwann etwas legt. Als es damals die ersten Kluftinger-Fälle gab, war ich sehr begeistert. Es war „mal was Anderes“, und man konnte die Bücher in einem Rutsch durchlesen. Als die ersten Fälle verfilmt wurden, ließ bei mir persönlich die erste Begeisterung deutlich nach. Die Filme waren zwar irgendwie unterhaltsam, zerstörten aber leider nach und nach mein eigenes Bild vom „Klufti“. Aber die Bücher mochte ich eigentlich immer. Vom zuletzt erschienenen Weihnachtskrimi mit Kluftinger war ich dann aber leider ein wenig enttäuscht und sah darin schon ein bisschen den Anfang vom Ende. Doch: Falsch gedacht, denn bei „Affenhitze“ kann man es endlich wieder sagen: Ein echter Kluftinger!

„Affenhitze“ will scheinbar erneut das alte Schema vom etwas schrulligen, ziemlich zerstreuten Kommissar aus der Provinz bedienen. Gleichzeitig wird Kluftinger in diesem Buch aber auch brutal mit der modernen digitalen Welt konfrontiert und ist zeitweise „lost in Social Media“. Hier wurde meiner Meinung nach ein wenig übertrieben, denn so blöd kann man einfach nicht sein, erst recht nicht als eigentlich sehr erfolgreicher Kommissar und „Interims-Polizeipräsident“. Einen wichtigen Part im Buch nehmen Kluftingers Flohmarktorganisation und eine obskure Sekte in der Umgebung („Gemeinschaft der Söhne und Töchter unserer lieben Frau“, Kindle-Position 1712) ein. Wichtig für den Showdown am Ende des Buches – aber ansonsten? Ich weiß nicht, es konnte mich jedenfalls nicht allzu sehr überzeugen.

In Ermangelung einer echten Spannung wurde in „Affenhitze“ sehr viel Privates über Kluftinger und seine Familie verbraten. Es wird echten Kluftinger-Fans gefallen, aber: mehrere Seiten über eine Pizzabestellung zu schreiben – das ist leider etwas übers Ziel hinausgeschossen, finde ich. Noch dazu gibt es ein paar eigentlich interessante Neben-Handlungsstränge, die dann leider irgendwie im Nichts verlaufen, z.B. die vermeintlich alkoholsüchtige Tagesmutter.

Fast, um dieses Dilemma wieder gut zu machen, zumindest habe ich das so empfunden, gibt es bis zum Ende mehrere Verdächtige und auf den letzten Seiten noch dazu einen regelrechten Showdown, den man sich nur sehr schwer im beschaulichen Allgäu vorstellen kann.

Leseempfehlung:

Im Vergleich zum bereits erwähnten Weihnachts-Krimi haben die Autoren bei „Affenhitze“ nochmal eine gute Schippe aufgelegt, aber so richtig befriedigend war das Lesen des Krimis für mich am Ende dann doch leider nicht. So langsam habe ich einfach die Befürchtung, dass sich die Person Kluftinger irgendwie mit der Zeit abnutzt. Volker Klüpfel und Michael Kobr haben eine Kultfigur erschaffen und ruhen sich vielleicht ein wenig zu sehr darauf aus. Man merkt ihre Liebe zu dieser Figur, aber reicht das wirklich aus? Dem Ende vom „Klufti“ wurde ja bereits geschickt vorgebaut, denn auch Kluftingers Sohn ist jetzt bei der Polizei …

Ich persönlich denke schon seit mehreren Bänden der Kluftinger-Reihe „ok, den Fall lese ich noch, aber dann ist es aber auch der letzte“. Doch wenn man (fast) alle Kluftinger-Fälle kennt, kann nicht anders. Man kommt an neuen Kluftinger-Fällen man einfach nicht vorbei, wenn man einmal damit angefangen hat. Kluftinger lesen – das ist wie nach Hause kommen. Die Frage ist, ob man das immer will.

Eine innere, nicht gut greifbare Macht zwingt mich, trotz aller Kritik, für „Affenhitze“ vier Sterne zu vergeben. Ich kann einfach nicht anders, denn – ich gebe es zu – ich bin süchtig nach Kluftinger. Und klar, eine dringende Leseempfehlung an alle Kluftinger-Fans und alle die es werden wollen, gibt es von mir noch obendrauf.

So, das war es für heute von mir über Kluftinger. Ma ka’s so lohng, oder?

Die Dauerleserin

Anmerkungen:

Diese Rezension habe ich mit einem ähnlichen Wortlaut am 08.05.2022 bei Amazon und am 11.05.2022 auch bei NetGalley, Lovely Books und Vorablesen veröffentlicht.

 

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