Cover_Tief in den Wäldern_Thumb300_zeigt Highway mit Berglandschaft im Hintergrund

Tief in den Wäldern (Rezension)

5 von 5 Sternen

Stevens, Chevy | FISCHER Scherz | 464 Seiten | Taschenbuch
Erschienen : 29. Juni 2022 | ISBN 978-3651025936 | 2. Auflage
Thriller

 

Werbung/ Rezension: „Tief in den Wäldern“ (Originaltitel: „Dark Roads“) Chevy Stevens hat mir der Verlag Fischer Scherz im Rahmen einer Leserunde  bei Lovely Books als persönliches Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! Ich versichere, dass meine Meinung zu diesem Buch rein subjektiv ist und durch die kostenfreie Überlassung des Rezensionsexemplars nicht beeinflusst wird.

Wenn der wahre Wolf ein Schaffell trägt

„Tief in den Wäldern“ spielt im Nordwesten Kanadas, wie der Titel schon sagt, tief in den Wäldern. Ort des Geschehens ist ein kleines Städtchen in der Nähe des berüchtigten Cold Creek Highways. Dort verschwinden schon seit vielen Jahren immer wieder junge Mädchen. Einige wurde tot aufgefunden, andere nicht. Der genannte Highway und das Städtchen sind Fiktion. Dennoch hat sich die Autorin Chevy Stevens an einer wahren Begebenheit orientiert, worauf sie im umfangreichen Nachwort zum Buch hinweist.

Soweit die Begleitumstände zum Buch. „Tief in den Wäldern“ beginnt mit einem relativ gruseligen Epilog, in dem eines der Opfer zu Wort kommt. Aber schon nach wenigen Seiten beginnt die eigentliche Handlung des Buches. Hailey hat vor kurzem ihren Vater durch einen Unfall verloren. Nun soll sich ihre Tante Lana Vaughn um das 17jährige Mädchen kümmern. Doch Lanas Ehemann Erik Vaughn (Spitzname: „Iceman“), der bei der örtlichen Polizei arbeitet, verhält sich merkwürdig. Er hat Geheimnisse und kontrolliert Hailey auf Schritt und Tritt. Hailey hat Angst vor ihm, vielleicht ist er ja sogar der seit Jahren gesuchte Serienmörder? Hailey flüchtet in eine Hütte im Wald. Durch ihren verstorbenen Vater kennt sie sich gut im Wald aus.

Etwas später taucht Beth in dem kleinen kanadischen Städtchen auf. Sie sucht ihre ebenfalls als vermisst gemeldete Schwester. Um nah am Geschehen zu sein, übernimmt Beth einen Job im örtlichen. Zu spät merkt sie, in was für ein Wespennest sie mit ihrem Erscheinen und ihrer penetranten Art, die sie bei ihren persönlichen Ermittlungen zeigt, gestochen hat.

Cover und Schreibstil:

Ich habe selten ein so widersprüchliches Cover wie das Cover von „Tief in den Wäldern“ gesehen. Zum einen wirkt die dargestellte Szenerie durchaus idyllisch, auf der anderen Seite strahlen die Wälder am Rande des gezeigten Highways und auch die mächtige Berge im Hintergrund eine richtig unheimliche Bedrohung aus. Alles in allem ein ganz hervorragend ausgewähltes Cover.

Chevy Stevens Schreibstil ist flüssig und spannend. Im Wesentlichen geht es im Buch um die beiden sehr verschiedenen Hauptprotagonistinnen Hailey und Beth, weswegen es auch zwei Haupt-Erzählstränge gibt. Am Ende werden beide Erzählstränge geschickt und auf eine interessante Art und Weise zusammengeführt.

Fazit:

„Tief in den Wäldern“ gehört fortan zu meinen persönlichen Lesehighlights im Jahr 2022. Dieser Thriller hat mich tief berührt, vor allem aber die überraschende Auflösung am Ende. Mit diesem Täter hätte ich auf keinen Fall gerechnet!

Wenn man an diesem Thriller überhaupt etwas kritisieren möchte, dann könnte man anführen, dass die polizeilichen Ermittlungen hier nicht unbedingt glänzen. Aber durch das bedrohliche Machtgefüge, dass Erik Vauhgn über Jahre in dem Städtchen aufgebaut hat, sind andere Polizisten vor Ort quasi wie gelähmt, was auch glaubhaft rüberkommt.

Leseempfehlung:

„Tief in den Wäldern“ ist keine leichte Kost, wie die meisten Thriller, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Mit genug Phantasie kann man sich den besagten Highway, der im Original als „Highway der Tränen“ bezeichnet wurde, mit all den weißen Holzkreuzen und den Suchplakaten am Rand gut vorstellen. Aber auch die Verzweiflung der Hinterbliebenen ist beim Lesen durchweg spürbar, zumal die vermissten Mädchen auch in einzelnen Passagen zu Wort kommen.

Ich kannte die Autorin bis jetzt nicht, aber sowohl der Inhalt als auch der Schreibstil haben mich vollends überzeugt. Im Internet sind einige Bewertungen zu finden, nach denen „Tief in den Wäldern“ eher eines der schwächeren Werke der Autorin ist. Ich frage mich nun, wie gut dann erstmal die als gut gehandelten Bücher von ihr sind. Außerdem wird „Tief in den Wäldern“ von einigen RezensentInnen als Young Adult-Buch eingestuft, was sich jedoch nicht mit meiner Einschätzung deckt. Also, nicht von solchen Kommentaren abschrecken lassen, es ist ein ganz „normaler“ Thriller.

Gerne vergebe ich fünf Sterne für „Tief in den Wäldern“ und empfehle dieses spannende und emotionsgeladene Buch allen Thrillerfans.

„Niemand wacht einfach so auf und denkt: Heute Abend werde ich auf einer dunklen Straße sterben, aber genau darum geht es.“ (S. 9)

Die Dauerleserin

Anmerkungen:

„Tief in den Wäldern“ wurde von Maria Poets ins Deutsche übersetzt.

Diese Rezension habe ich in einem gleichen oder ähnlichen Wortlaut auch bei Amazon und Lovely Books veröffentlicht.

 

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