Beitragsbild Interview May und Förg

Ich hatte es bereits angekündigt: Gestern gab es im Rahmen des Co. Libri Literaturfestivals die Buchvorstellung zu  „Blut schweigt niemals. Ungeklärten Verbrechen auf der Spur“  von Stephan Harbort  Wegen der Corona-Pandemie wurde die Buchvorstellung live gestreamt. Vielen Dank!

So habe ich den Livestream mit der Buchvorstellung erlebt

Auch wenn ich eine passionierte Krimi- und Thrillerleserin bin, kannte ich Stephan Harbort bislang leider nicht. Stephan Harbort (Jahrgang 1964) ist Kriminalhauptkommissar und DER deutsche Experte für Serienmorde. Seine Fälle und sein Wissen verarbeitete er bereits in zahlreichen Büchern und Fernsehserien. Sein neuestes Buch „Blut schweigt niemals“ ist im Januar 2020 im Droemer eBook Verlag erschienen.

Die Buchvorstellung von „Blut schweigt niemals“ begann pünktlich, und es gab um die 70 Teilnehmende. Zusätzlich zum Livestream gab es auch die Möglichkeit, im Chat Fragen zu stellen, die dann durch die Moderation an den Autor zur Beantwortung weitergegeben wurden.

Nach einer kurzen Einführung, in der Stephan Harbort dem Publikum seine Beweggründe, warum er überhaupt Bücher dieser Art schreibt, darlegte, berichtete er von einem Fall und las zu diesem Fall auch aus seinem Buch vor. Es ging um junge Frau, die schwer verletzt einen Mordversuch überlebt hatte. Der Fall wurde erst nach Jahren, als er neu aufgerollt wurde, gelöst.
Nach der Vorstellung dieses Falls war ich persönlich erstmal ziemlich geflashed. Aber der eigentliche Hammer des Abends kam erst noch: Stephan Harbort zeigte ein aufgezeichnetes Interview mit einem Serienmörder. In diesem Interview schildert der Täter seinen ersten Mord. Dabei erfährt man auch, wie er bei seinem ersten Mord vorgegangen ist, und was er dabei und danach gedacht und gefühlt hat. Hier hat mich besonders die fehlende Empathie des Täters erschüttert, er hatte keine Schuldgefühle dafür, dass er eine junge Frau getötet hatte, sondern seine alleinige Angst war die Frage, ob er als Täter entlarvt werden könnte. Zum Glück wurde der Mörder gefasst, konnte aber nach seiner ersten Entlassung weitere Morde begehen.
Fragen aus dem Publikum
Am Ende der Veranstaltung beantwortete Stephan Harbort geduldig die Fragen aus dem Publikum. Dabei wurde auch die geplante Sendezeit deutlich überschritten, was natürlich niemanden gestört hat.  So konnten wir u.a. folgende Infos mitnehmen:
  • Die Bearbeitung sog. Cold Cases in Deutschland hat erst in den letzten Jahren an Professionalität zugenommen.
  • Man kann bei Cold Cases von einer Aufklärungsquote von rund 45% ausgehen.
  • Bei 54% der überführten Täter gab es bereits im Rahmen der ersten Ermittlungen einen Anfangsverdacht, aber die Täter konnten wegen fehlender Beweise, oder weil Zeugen sie schützten nicht überführt werden.
  • Bei der Bearbeitung von Cold Cases muss man darauf achten, dass man genug Beweise für eine Anlage wegen Mordes hat, denn Totschlag verjährt nach 20 Jahren.
  • Serienmördern gelingt es häufig, in ihrem Alltag eine „normative Fassade“ aufzubauen, so bleiben sie oft unerkannt.
  • Wir leben in Deutschland wohl einigermaßen sicher, was aber nicht heißt, dass man nicht für seine Familie und sich eine gewisse Risikoabwägung durchführen sollte, denn in jedem Tun steckt nunmal ein Risiko (muss ich wirklich heute Abend allein im Dunkeln auf die Straße gehen?).
  • Rund 60 % der versuchten Morde führen tatsächlich nicht zum Tod des Opfers. Der seelische Schaden aber bleibt.
Persönliches
In der Fragerunde wurde Stephan Harbort auch sehr persönlich. So berichtete er von einem Vorfall, bei dem er selbst zum Opfer wurde, welcher Fall ihn am nachhaltigsten beeindruckt hat, usw. Besonders beeindruckte mich hier seine Schilderung von dem dem Tag, wo er tatsächlich  bei einem Interview „das Böse“ im Gesicht eines Mörders gesehen hat.
Fazit
Ich habe bei diesem Livestream einen überaus sympathischen Autor und Kommissar kennen gelernt, der sowohl seine echte Ermittlungsarbeit als auch seine Autorentätigkeit mit viel Herzblut ausübt. Sein Ziel ist es, mit seinen Büchern ein umfassendes Buch der jeweiligen Thematik zu schaffen (jedes Buch hat einen bestimmten fachlichen Schwerpunkt). Stephan Harbort sprach diesbezüglich von einer „Vielgesichtigkeit des Verbrechens“ und einer „Vielschichtigkeit der Ermittlungen“ -WOW!!!
Ich werde „Blut schweigt niemals“ auf jeden Fall demnächst lesen und bestimmt auch noch weitere Bücher dieses Autors.
Vielen Dank für den schönen Abend!
Die Dauerleserin
Anmerkungen:

Gute Nachricht: Das Co. Libri Literaturfestival geht nach der Wochenendpause noch ein paar Tage weiter!

Link zur Co Libri-Startseite mit allen Terminen und weiteren Infos.

 

Beitragsbild:

Fotograf Pra Chid, lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 1775996744

(https://www.shutterstock.com/de/image-photo/desk-student-concept-laptop-computer-study-1775996744, zuletzt aufgerufen am 23.10.2021)

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